Rangordnung aushandeln

Rangordnung aushandeln
Wie vorgestern geschrieben, ist bei den Eringer-Kühen die Rangordnung sehr wichtig und darum kommt es auf der Weide immer wieder zum Kräftemessen untereinander. Das wird im Kanton Wallis ja dann auch zu den traditionellen Kuhkämpfen (combats de reines) erweitert, die von vielen Leuten besucht werden. In diesem Jahr wird das wohl etwas anders sein. Da viele Kühe zur Zeit auf unserer Meereshöhe auf den Weiden auf den Alpaufzug warten, treffen wir jetzt überall Herden an. Auf dieser Weide hier hatten sich zwei über eine ganze Weile in einen kleine Kampf eingelassen und wir konnten das aus einer respektvollen Distanz beobachten. Es ist schon beeindruckend, wenn diese Fleischmassen aufeinander losgehen. Aber nach einigen Minuten war der Reiz offenbar verflogen und die beiden Kühe gingen wieder ihren Weg – und wir dann auch.

Gemsenfarbene Ziegen

Fast wie Gemsen
Auf all den saftigen Wiesen hat es nun verschiedene Tiere, die dort ihr Futter in guter und ausreichender Menge vorfinden – die letzten Tage hatte es genügend Niederschlag, so dass es überall sehr grün geblieben ist. Gestern wurden wir von den Kühen beobachtet, heute von diesen Ziegen. Welche Rasse es genau ist, konnte ich leider nicht herausfinden – müsste eine „gemsenfarbene Gebirgsziege“ sein, aber es bleibt unsicher. Eigentlich würde ich die Halterin kennen, aber diese Frage habe ich ihr noch nie gestellt. Auch von diesen Tieren, die sich hier gerade am Rand ihrer grossen und wilden Wiese befanden, wurden wird ausführlich beobachtet. Doch nach einer Weile waren wird nicht mehr interessant und sie wandten wieder dem Fressen zu oder einige legten sich sogar ins hohe Gras. So setzten wir unseren Weg auch wieder fort und waren knapp vor einer kleinen Regenschauer wieder zu Hause.

Eine besondere Begegnung

Unter Beobachtung
Heute haben wir auf unserer Sonntags-Wanderung nicht nur wunderschöne Blumen und kleine Tiere angetroffen, auch ein paar Kuhherden sind wir begegnet. Die Eringer-Kühe sind aufmerksam und sehr neugierig und Wanderer werden da immer umfassend beobachtet. Die Hörner und der oft als stechend empfundene Blick macht auf viele Leute einen etwas grimmigen oder sogar ängstigenden Eindruck. Aber so viel ich weiss, ist sind die Eringer nicht wirklich aggressiv und eher anhänglich. Untereinander haben sie ein grosses Rangverhalten und darum sieht man sie hin und wieder in Zweikämpfe verwickelt. Aber selbstverständlich kommt es sehr darauf an, wie man ihnen begegnet. Aufgeregtes Tun schätzen sie nicht, sicher auch nicht ein Rumfuchteln mit einem Stock und Hunde sind nicht ihre Lieblingstiere. Wenn man ihnen also mit Respekt und aller Ruhe begegnet, kann man auch eine Wiese durchqueren. Und nochmals selbstverständlich: Einer Mutterkuh mit ihrem Kalb sollte man sicher aus dem Weg gehen. Jedenfalls war das heute eine sehr interessante Begegnung.

Es ist ganz ruhig am Teich

Die Ruhe am Teich
Das Wettergeschehen war heute fast genau gleich wie gestern. Bis zum Mittag regnete es und wir waren wieder im Nebel eingehüllt – oft sah man die grossen Tannen vor dem Haus kaum mehr. Vom Tal aus würde man ja sagen, wir wären in den Wolken versteckt. Die kleine Wanderung kurz nach dem Mittag führte uns wieder einmal zum grossen Teich. Zur Zeit schwimmt dort nur ein einziger Enterich (Reiherente) ganz allein und gemächlich. Es könnte aber durchaus sein, dass seine Partnerin auf einem gut verstecken Nest sitzt und baldige Nachkommen ausbrütet. Doch er bewegt sich etwas gar langsam und steckt den Kopf zwischen hinein in seine Federn für ein kleines Nickerchen. Wir werden jedenfalls immer mal wieder nachsehen gehen, ob nicht doch eines Tages eine kleine junge Entenschar auf dem Wasser rumschwimmt – es wäre nicht das erste Mal, aber doch eher selten.

Von Regen und Nebel bis zur Sonne

Dorf in der Nachbarschaft
Heute bot das Wetter viel Abwechslung. Am Morgen waren wir völlig im Nebel eingehüllt und es regnete, zwar nicht sehr stark, aber ununterbrochen fast bis zum Mittag. Da begann sich die düstere Stimmung aufzulockern und immer mehr Wolkenlöcher wurden sichtbar, der Regen hörte auf. So entschlossen wir uns, den nun schon fast täglichen Rundgang nicht auszulassen. Auf dem Weg konnten wir nochmals fast alles erleben – viel Wolken, dann etwas Sonne. Von Süd-Osten näherte sich aber eine kleine sehr dunkle Front und es dauerte nicht lange, bis die ersten Regentropfen zu spüren waren. Doch sehr lange dauerte es nicht und bald waren wieder erste Sonnenstrahlen zu sehen. Wären wir nicht im Juni, hätten wir von April-Wetter gesprochen. Gegen Abend klarte sich der Himmel immer mehr auf und jetzt ist in der Ferne auch das Nachbardorf auf der Höhe über dem Tal gut und klar zu sehen. Ein wechselvoller Tag geht langsam zu Ende.

Wiesen als Farbenmeer

Die Wiese blüht
Der Regen war so wichtig und zum Glück etwas anhaltend, doch nicht zu heftig, als dass alles zu Boden gedrückt worden wäre. Nun blüht es noch viel intensiver, als vor ein paar Tagen. Bei vielen Wiesen, bei denen wir vorbei gekommen sind oder die wir durchquert haben, spriessen nun ganz verschiedene Pflanzen – die Farbe grün ist fast zur Minderheit geworden. So bunt und so vielfältig habe ich es kaum in Erinnerung, es ist eine richtige Augenweide, wo man gerne ein paar Minuten stehen bleibt und staunen kann. Solche Magerwiesen sind leider selten geworden, doch es freut einem zu sehen, dass auch die Schmetterlinge an dieser Farbenpracht wieder Freude finden. Heute haben wir ganz viele dieser bald seltenen Lebewesen gesehen, die unaufhörlich über das Farbenmeer geflattert sind.

Nur für einen kurzen Besuch

Unterwegs zu neuen Ufern
Auf dem grossen Teich, den wir gut kennen und bei dem wir heute vorbei gekommen sind, hat es immer nur wenig tierische Besucher. Entenpaare, seien es Stockenten, Reiherenten oder ganz selten auch Bergenten sind manchmal im Frühjahr hier anzutreffen. Aber eine etwas längere Bleibe mit Nestbau und Aufzucht von Jungen haben wir (leider) noch nie gesehen. An Wochenenden ist hier zu viel Betrieb von Menschen,  die hier ihre Autos oder sogar Wohnmobile abstellen und dann im Teich schwimmen oder sich mit Plastikbooten rumtreiben lassen. Oder es gibt ferngesteuerte Modellschiffe, die mit viel Lärm ihre Runden drehen. Hin und wieder versucht sich auch ein Hund, die Enten zu jagen. Es wird schon klar, hier ist wirklich kein attraktiver Ort für einen längeren Aufenthalt – wir finden das sehr schade.

Alte Häuser im Sonnenlicht

Weiler in der Sonne
Der heutige Pfingstmontag bot wundervolles Wanderwetter – in den Wetterprognosen war das ja längst angekündigt. Sonnenschein mit ein paar Wolken, leichter Wind (im Gegensatz zur mässigen Bise im Mittelland) und angenehmen Temperaturen, dass man auch beim Aufstieg nicht zu arg ins Schwitzen kam. Bei diesen Bedingungen hielt uns nichts mehr zu Hause und wir haben noch vor dem Mittag die Wanderschuhe angezogen und eine kleine lokale Tour unternommen. Wir waren auf längst bekannten Wegen, aber auch auf erst kürzlich entdeckten Abschnitten, unterwegs und haben wie fast immer, auch kleine neue Entdeckungen gemacht. Dieser winzige Weiler mit ein paar wenigen Häuser grüsste von oben unter den schönen Wolken und über der satten grünen und blühenden Wiese auf uns herunter. Eingebettet in die Natur wirken die Häuser ganz organisch – sie werden sicher schon sehr lange hier stehen. Auf einer alten Karte von 1864 sind sie jedenfalls schon eingezeichnet – wieder einmal ein Hinweis darauf, wie relativ der Zeitbegriff eigentlich ist.

Die Lilien auf dem Feld

Die Lilien auf dem Feld
Nach dem Regentag gestern war es heute zwar etwas kühler, aber trotzdem wieder sehr sonnig. Und weil die Luft nun frisch gewaschen ist, war auch die Sicht sehr klar und deutlich. So machten wir uns auch wieder auf und marschierten über verschiedene, aber bekannte Wege. Es ist einfach erstaunlich, es gibt jeden Tag, auch wenn man seine Umgebung zu kennen meint, immer etwas aufs Neue zu entdecken – die Natur hält stets wieder eine Überraschung bereit, die man unerwartet entdecken kann.

Nehmet wahr der Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht.

Ein altes Zitat – und ja, so ist es. Diese wunderschönen Blumen mitten im grünen Feld stehen einfach da. Wir haben heute ganz viele davon entdeckt – noch vor zwei Tagen waren sie nicht zu sehen und jetzt stehen sie da in vollster Blüte, alle ein bisschen versteckt im hohen Gras. Mit offenen Augen durch die Natur zu wandern, ist einzigartig und jedes Mal kommen wir glücklich nach Hause.

Es wird eng

Der Weg ist eng
An dieser Stelle sind wir schon öfters vorbei gekommen und sie fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Hier führt der Weg dem Wasser entlang, es geht nicht steil bergauf, aber immer wieder über Wurzeln. Doch genau an dieser Stelle wird es sehr eng. Der Wanderer muss zwischen den beiden mächtigen Baumstämmen durchsteigen, um seinem Pfad weiter folgen zu können. Da geht es nicht  einfach so problemlos vorwärts, hier muss man schon etwas genau hinschauen, wo man seine Füsse hinstellen und diese Engstelle durchsteigen kann. Gespräche verstumme jeweils für einen kurzen Augenblick, da sich jeder etwas konzentrieren muss, um nicht noch etwa hinzufallen. Weiter vorne wird es wieder heller und auch wieder breiter und da kann man sich dann wieder am Plätschern des Wassers erfreuen. Ja, diese Stelle ist für mich immer ein bisschen ein Abbild des Lebens − wo es immer mal wieder auch „Engstellen“ gibt.